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Ein neues Stadtquartier entsteht // Ausgabe 1/2020

Zukunft für das Tacheles-Areal

Auf Grundlage der historischen Struktur ist in Berlin-Mitte ein offenes, zeitgemäßes und lebendiges „Stück Stadt“ mit vielfältigen Nutzungsformen und hochwertiger Architektur geplant. Der komplexe Unterbau mit Kellergeschossen und Tiefgarage steht bereits kurz vor der Fertigstellung.

Einblicke - Ausblicke

"Jeder, der einmal an diesem Ort war, verbindet mit ihm eine ganz eigene Geschichte“, meint Ephraim Gothe. Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Gesundheit und Soziales von Berlin-Mitte spricht auf der Pressekonferenz anlässlich der Grundsteinlegung des neuen Stadtquartiers „Am Tacheles“. Er selbst erklomm Anfang der nuller Jahre das legendäre, in Nachwendezeiten von Künstlern bespielte Tacheles-Gebäude über ein rückseitiges Fenster zum Hof. Nur so konnte er zu einem der begehrten Konzerte gelangen. Die Autorin ihrerseits hatte in der Tacheles-Bar eine unverhoffte Begegnung mit dem Schauspieler Gérard Depardieu, der damals noch Franzose und nicht mit russischem Pass unterwegs war. Im Tacheles traf sich die Welt, hier stieß Kultur auf Subkultur, spielte jeder seine eigene Rolle im impulsiven Berliner Nachtleben.
Ephraim Gothe war damals noch nicht stellvertretender Bürgermeister des Bezirks Mitte. Unlängst, etliche Jahre nach dem Konzert, läutete er zusammen mit dem ehemaligen regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin, Klaus Wowereit, und anderen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft bei der Grundsteinlegung die Wandlung des Gebiets rund um das ehemalige Kunsthaus Tacheles in ein neues Stadtquartier ein. Beide, Kunsthaus und einstige Ausstellungsflächen unter freiem Himmel, hatten nach ihrer Räumung 2012 jahrelang unbespielt brachgelegen. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron, die nun für den Masterplan des Gesamtareals verantwortlich zeichnen, beschreiben die Situation der ehemaligen Frontstadt in den Jahren nach dem Mauerfall wie folgt: „Berlin wurde zu einem Experimentierfeld für Stadtplaner und Architekten einerseits und zum Spielplatz der Kultur und Subkultur andererseits“. Ihr städtebauliches Konzept für das Stadtquartier zielt nun darauf ab, eine der letzten großen Lücken in Berlin-Mitte zu schließen und dabei den Genius Loci dieses besonderen Ortes zu wahren.

Berlin wurde zu einem Experimentierfeld für Stadtplaner und Architekten einerseits und zum Spielplatz der Kultur und Subkultur andererseits.

Nach langem Vorlauf und gesellschaftlichem Ringen wird die Bebauung der zweieinhalb Hektar großen Freifläche zwischen Oranienburger und Johannisstraße mit Spannung erwartet. Fußläufig zur Friedrichstraße und dem bekannten Friedrichstadtpalast wird es „keine Rekonstruktion oder Simulation, sondern eine Interpretation des historischen Fußabdrucks“ geben, wie Architekt Pierre de Meuron es formulierte. Auf rund 85.000 Quadratmetern Gesamtnutzfläche soll bis 2023 ein außergewöhnlicher Ort für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kunst und Kultur mitten in der Hauptstadt entstehen. Die denkmalgeschützte Ruine mit der historischen Fassade, die als Zeugin der sprunghaften Geschichte überlebt hat, wird behutsam saniert in das Gesamtensemble integriert. Natürlich ist hier kulturelle Nutzung geplant. Dies ist nicht nur Vorgabe des Bezirks, sondern entspricht auch den Vorstellungen des Architekturbüros Herzog & de Meuron und des Projektentwicklers pwr development. Basierend auf seinem städtebaulichen Konzept knüpft der Projektentwickler an die vielschichtige und wechselhafte Tradition des Orts an. Dabei wird die historische Stadtstruktur mit ihren Blockrändern aufgegriffen. In Anlehnung an die noch vor der Wende abgerissene Bebauung rund um die ehemalige Friedrichstraßenpassage entsteht folglich ein Stadtquartier, das mit offener Durchwegung und drei begrünten Plätzen ins Blockinnere einlädt. Es wird ein rund um die Uhr öffentlich zugänglicher Stadtraum geschaffen, flankiert von sieben verschiedenen, sehr individuell gestalteten Wohnhäusern und drei Bürogebäuden, zusätzlich belebt von Restaurants, Cafés und Einzelhandel. Sebastian Klatt, Geschäftsführer des Projektentwicklers pwr development, betonte, dass seine Gesellschaft den Wohnanteil gegenüber bisherigen Planungen auf circa 35 Prozent der Gesamtfläche erhöht habe. Außerdem soll die für die Bürobebauung angestrebte LEED-Qualifizierung umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen an diesem Standort sichern.

Insgesamt können wir mit Unterstützung der Pumpen den Beton über eine Strecke von 150 Metern führen.

Andreas Keiser, Heidelberger Betonpumpen Region Nord-Ost

Um die Tiefe der Geschichte des Orts wieder erlebbar zu machen und sie gleichzeitig fortschreiben und weiterentwickeln zu können, wie es Ziel der Architekten für Berlin-Mitte ist, musste zunächst der komplexe Baugrund in innerstädtischer Lage vorbereitet werden. Bis Frühjahr 2020 sollen alle Rohbauarbeiten in den Untergeschossen des gesamten Stadtquartiers fertig sein. Bereits 2017 ist mit dem Aushub begonnen worden, der 280.000 Kubikmeter umfasste; anschließend wurde die Grube mit Spundwänden gesichert. Allein der Bau bis Oberkante Bordstein, der von der Köster GmbH ausgeführt wird, ist auf dieser Baustelle eine logistische Meisterleistung. Als tragende Basis des Stadtquartiers dient eine in Teilen bis zu drei Meter dicke Bodenplatte. Bis zu drei Kellergeschosse und die Tiefgarage, die Stellplätze für das gesamte Quartier ebenso wie Platz für Fahrräder und Lastenräder bietet, sind als Weiße Wanne ausgebildet. Heidelberger Beton produziert für das ausführende Bauunternehmen Köster diverse Betone unterschiedlichster Güten, vor allem im Betonwerk Neukölln. Bei hohem Bedarf konnte auch auf die nahe gelegenen Werke Lindenberg, Rudow und Staaken zurückgegriffen werden.

Aufgrund der erforderlichen Mengen an Baumaterial, der beengten Innenstadtlage sowie den jeweiligen Verkehrsbedingungen ist eine genau abgestimmte Ablaufplanung unabdingbar. „Köster bestellt in der Regel eine Woche im Voraus, das Lieferwerk entscheidet ad hoc, je nach Verkehrslage, ob dem frisch gemischten Beton Verzögerer beigefügt werden muss oder nicht“, beschreibt Hans-Peter Scheffold von Heidelberger Beton den Ablauf. Laut Norm muss der Beton 90 Minuten nach Wassereingabe verbaut werden, bei einer Fahrtzeit von 40 bis 60 Minuten bleibt den Bauarbeitern nicht viel Spielraum. „Bei einem erforderlichen Lieferfluss von 48 Kubikmetern pro Stunde kommen die Betonmischer an manchen Tagen mit acht Kubikmetern befüllt fast im Minutentakt zur Baustelle“, meint der Betonfachmann. Da ist es auch absolut erforderlich, dass der angelieferte Transportbeton sofort über die entsprechenden Betonpumpen bis zu seinem Einbauort geleitet wird. So stehen grüne Pumpen mit unterschiedlichen Reichweiten, abhängig vom Bauablauf, tage- oder wochenweise vor Ort. „Bei der Betonage Anfang Oktober 2019 pumpte eine unserer Autopumpen, die M 24, den Beton vom Straßenniveau aus 20 Meter tief in den Baugrund. Von dort geht es über Rohrleitungen weiter zur nächsten Betonage oder, wenn nötig, bis zum mobilen Betonverteiler“, schildert Andreas Keiser von Heidelberger Betonpumpen Region Nord-Ost diesen Ablauf. Der mit vier Auslegern bestückte Verteiler lenkt den Beton nochmals weiter in verschiedene Richtungen.
Die komplexen Arbeiten im Untergrund schaffen die Basis für ein Berlin, das den Wandel von der Frontstadt zur weltoffenen Metropole längst vollzogen hat. Mehr denn je geht es nun darum, auch an diesem Standort einen lebendigen Stadtraum zu schaffen, der – wie es die Architekten Herzog & de Meuron formulierten – „sowohl der Gemeinschaft, als auch dem Individuum dient.“

Kunsthaus Tacheles (KHT)

Das ehemalige Kunsthaus Tacheles in Berlin-Mitte ist der übrig gebliebene Kopfbau einer historischen, ehemals mondänen Einkaufspassage, die von der Oranienburger Straße bis zur Friedrichstraße führte. 1908 eröffnet, war das Ensemble bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts als moderner Stahlbetonskelettbau errichtet worden. Nach dem Mauerfall besetzten Künstler den noch nicht gesprengten Gebäudeabschnitt im ehemaligen Ostteil der Stadt und nutzten die Ruine als legendäres Kunst- und Kulturhaus. Der denkmalgeschützte Trakt mit dem charakteristischen Torbogen dient dem städtebaulichen Gesamtkonzept der Architekten Herzog & de Meuron nun als „Anker und Ausgangspunkt“. Das international renommierte Schweizer Büro ist der breiten Öffentlichkeit in Deutschland vor allem durch den Bau der Hamburger Elbphilharmonie bekannt.

Der Projektentwickler – die pwr development GmbH

Die 2015 gegründete und seither in Berlin ansässige pwr development GmbH ist die deutsche Projekt- und Asset-Management-Tochter des europaweit agierenden Immobilieninvestors Aermont, der aus Perella Weinberg hervorgegangen ist. Als eines der ersten Projekte wird aktuell das 2,5 Hektar große Stadtquartier „Am Tacheles“ entwickelt. Mittelfristig wird sich das Unternehmen in Berlin und bundesweit aber auch in weiteren Projekten engagieren.

Objektsteckbrief

Bautafel

Projekt:
Stadtquartier „Am Tacheles“, Bau von Keller und Tiefgaragen

Projektentwicklung:
pwr development GmbH, Berlin

Architekten Untergeschoss:
RKW Architektur +, Düsseldorf

Städtebau:
Herzog & de Meuron, Basel

Architektur:
Herzog & de Meuron, Basel, mit Aukett & Heese, Berlin; Grüntuch Ernst Architekten BDA, Berlin; Brandlhuber + Muck Petzet Architekten, Berlin

Bauunternehmen UG: Köster GmbH, Osnabrück

Betonproduzenten UG:
Heidelberger Beton in Liefergemeinschaft mit Berger Holding SE, Passau

Produkt:

17.000 t Zement aus dem Lieferwerk Königs Wusterhausen Beton in den Güten C50/60, C40/50, C35/45, C30/37 und C20/25, Größtkorn 16 mm, aus dem Transportbetonwerk Neukölln

Fertigstellung UG:
2020

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