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Tropical Islands wächst weiter // Ausgabe 2/2020

Urlaub im märkischen Sand

Südöstlich der Hauptstadt entwickelt sich seit 15 Jahren ein außergewöhnliches Resort. Eine neue Ferienhausanlage wurde nun bei Europas größter tropischer Erlebniswelt locker in den natürlichen Kontext eingebettet. Durchzogen wird das Areal von gelben Wegen aus durchgefärbtem Beton, den Heidelberger Beton geliefert hat.

Straßen & Wege

Foto: HeidelbergCement AG/Andreas Franke

Als der französische Ethnologe und Soziologe Claude Lévi-Strauss in den 1950er Jahren seinen Klassiker „Traurige Tropen“ schrieb, in dem er die Verwandtschaftsbeziehungen, politischen Systeme und Mythen von indianischen Naturvölkern behandelte, war das Reisen in ferne Länder für die Allgemeinheit noch nicht gang und gäbe. Schon wenige Jahrzehnte später waren seine umfangreichen und interkulturell vergleichenden Untersuchungen aus den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die vor allem die Transformationsregeln der strukturalen Systeme in Brasilien zum Thema hatten, Zeugnisse von verloren gegangenen und durch unsere Zivilisation zerstörten Kulturen.

Mit seinem Werk gilt der französische Autor heute als einer der Begründer des Strukturalismus, einem wissenschaftlich-philosophischen Ansatz, der davonausgeht, dass menschlichem Denken und Handeln systemische Strukturen zugrunde liegen. So auch dem Verlangen, in ferne Länder zu reisen, um etwa die Tropen, oder das, was von ihnen und ihrem unberührten Reiz übrig geblieben ist, in natura zu erleben.

Wenn das nicht möglich ist, lassen sich alternativ dazu Orte aufsuchen, die dem unscharf umrissenen Bild unserer Vorstellung von exotischen Gefilden auf die eine oder andere Art nahekommen – wie etwa das Ferienresort Tropical Islands im brandenburgischen Landkreis Dahme-Spreewald. Reisen im eigenen Land sind in der Corona-Krise begehrter denn je, sodass die Urlauber, sofern sie denn während der Pandemie kommen dürfen, dort nicht auf sich warten lassen.

Areal mit bewegter Geschichte

Im Zeitraffer betrachtet hat das Areal rund 60 Kilometer südlich von Berlin eine bewegte Geschichte hinter sich. Wo sich heute Feriengäste tummeln, war von der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ein Flugplatz erschlossen worden. Später übernahmen die Luftstreitkräfte der Roten Armee den Standort und wickelten dort über die drei Landebahnen den Abzug der einst in der DDR stationierten Truppen ab. Nach der Wende übernahm die deutsche Verwaltung das Areal samt Hangars und verbliebener Infrastruktur. Kurz vor der Jahrtausendwende schließlich erfolgte der Spatenstich für eine Werfthalle, die nach ihrer Fertigstellung mit 360 Metern Länge, 210 Metern Breite und 107 Metern Höhe – ohne tragende Wände oder Stützen – eine Fläche von neun Fußballfeldern umfasste. In ihr sollten, teils von privater Hand finanziert, Luftschiffe gebaut werden, die, mit Helium als Traggas angetrieben, zum Transport tonnenschwerer Lasten vorgesehen waren.

Neueste Vergrößerung mit 135 Ferienhäusern

Der Traum von der innovativen Luftschifffahrt mit einem zigarrenartigen Ballon zerplatzte, doch nach der Insolvenz von Cargolifter fand sich für das Areal unerwartet eine neue Vision: Ein Investor ließ in der Halle auf einer Grundfläche von gut 66.000 Quadratmetern, beziehungsweise in dem silbrig umspannten Raum von 5,5 Millionen Kubikmetern, ein Ferienparadies entstehen. Seit nunmehr 15 Jahren entführt es Menschen – die dafür nicht in ferne Länder reisen müssen – in eine bemerkenswert gestaltete Tropenwelt.

Schon vor der Pandemie, die Fernflüge zum reinen Vergnügen erst einmal obsolet gemacht hat, war der Zuspruch zum künstlich angelegten Tropical Islands am Rande des Spreewaldes so groß, dass die Freizeitanlage ausgebaut wurde. Statt nur als Ziel für Tagesausflüge soll die Anlage als Resort wahrgenommen werden, in dem sich Gäste mehrere Tage erholen können. Inzwischen sind rund um das Tropical Islands unterschiedliche Übernachtungsmöglichkeiten entstanden. Neben dem Schlafen im mobilen Camper oder im feudalen Safarizelt ist seit diesem Sommer auch eine komfortable Unterbringung in einem von 135 Ferienhäusern möglich.

Immenser Planungsaufwand auf ehemaligem Fluggelände

Verschiedene Haustypen, alles komplett vorfabrizierte Bungalows aus Holland, sind nach einem Masterplan der Bremer Landschaftsarchitekten Gasse Schumacher Schramm (GSS) am Rande der riesigen Freifläche unter den ortstypischen Kiefern verteilt worden. Die Gesamtprojektleitung und Genehmigungsplanung für die Ferienhäuser übernahmen die Architekten Naeve Schroff Schäfer Partnerschaft (ANSSP). Zunächst musste das immense ehemalige Fluggelände in verschiedene Baufelder unterteilt und planungsrechtlich durch Bebauungspläne als Urlaubsdestination ausgewiesen und abgesichert werden. So sind außerhalb der ehemaligen Werfthalle bereits eine Außenschwimmanlage namens Amazonia, Bars und Lounges, Fitnessclubs und zahlreiche Sportanlagen von Beachvolleyballfeldern bis hin zum Niedrigseilgarten eingerichtet worden. Die neue Ferienhausanlage ist für länger verweilende Gäste gedacht, die eine feste Unterkunft den anderen Unterbringungsformen vorziehen. Die Fertighäuser sind inzwischen vom Kran platziert und mit Schraubfundamenten im märkischen Sand fixiert worden. Einzig das neue Rezeptionsgebäude, das ANSSP in Holzrahmenbauweise entworfen hat und das Gastronomie, einen Shop und Räume für die sportliche Freizeitgestaltung bietet, erhielt als Basis eine massive Bodenplatte aus Beton.

Einbettung auf 700 Hektar in natürlichem Kontext

Die Weiterentwicklung des Ferienresorts unterliegt besonderen Anforderungen, die im Masterplan berücksichtigt und von den Maßnahmen der beteiligten Landschaftsarchitekten gestützt werden. Denn das von Schafen beweidete trockene Gelände mit magerem Boden hat sich in den vergangenen Jahren in ein artenreiches Biotop mit schützenswerter Vegetation entwickelt, das auch eine besondere Vogel und Insektenwelt begünstigt. Daher soll das ehemalige Flugfeld als Offenland von Baumaßnahmen freigehalten und weitgehend unberührt bleiben. Die Ferienhaussiedlung wurde aus diesem Grund auf 700 Hektar an den Rändern des Standortes, an Waldlichtungen im Übergang zum Kiefernbewuchs, in den natürlichen Kontext eingebettet. Von den Zufahrtsstraßen zu den jeweiligen Häusern führen kleinere geschwungene Wege, deren Belag aus gelb durchgefärbtem Sichtbeton sich zu den gepflasterten Terrassen fügt, die mit Betonborden eingefasst sind.

3,5 Kilometer Gehwege aus Farbbeton

Die Landschaftsarchitekten planten die insgesamt rund 3.500 Meter langen Gehwege mit einer klassischen, frostsicheren Tragschicht aus Schotter und einer zwölf Zentimeter dicken Schicht aus Beton, der mit flüssiger Farbe seinen gewünschten gelben Farbton erhalten hat. Mit diesem eingefärbten Sichtbeton hatten die Landschaftsarchitekten schon beim Bau verschiedener anderer großer Ferienparks gute Erfahrungen gemacht. „Im Unterschied zu einer natürlichen wassergebundenen Decke bringen die Gäste über den hartgehenden Sichtbetonbelag keinen Schmutz in die Häuser“, beschreibt Wolfgang Schramm einen der Vorteile der Betonwege.

Im Unterschied zu einer natürlichen wassergebundenen Decke bringen die Gäste über den hartgehenden Sichtbetonbelag keinen Schmutz in die Häuser.

Wolfgang Schramm, Landschaftsarchitekt

Das ausführende Bauunternehmen Verdie aus Turnow hat vor Ort die Bodenplatte für das zentrale Check-In-Gebäude gegossen und die vielen Terrassen gepflastert sowie mit den seitlichen Bordkanten aus Betonfertigteilen versehen. An diese schließen die gewundenen Zugangswege an. Hierzu richteten die Bauarbeiter links und rechts der geplanten Wegeführung eine Schalung aus und betonierten auf dem frostsicheren Unterbau abschnittsweise den Verlauf. Die entsprechende Menge Flüssigfarbe war jeweils beim Abruf des Betons im Lieferwerk Lübbenau von Heidelberger Beton direkt vor der Abfahrt in den Fahrmischer gekippt und auf der halbstündigen Fahrt zum Einsatzort so gründlich durchmischt worden, dass bei der Ankunft keine Marmorierung mehr sichtbar war und der Farbbeton direkt an den jeweiligen Einsatzort gepumpt werden konnte. 25 Kilogramm Flüssigfarbe pro Kubikmeter Beton ergaben den im Vorfeld mittels unterschiedlicher Dosierung und Bemusterung ausgewählten Farbton. Alle 50 Meter zog Mario Nakonz von Verdie, der für den Betonbau verantwortlich war, mit seinen Mitarbeitern eine Fuge als Sollbruchstelle, damit der Beton über die gesamte Länge nicht reißt. Außerdem legten sie nach dem Verdichten zum Erreichen einer griffigen Oberfläche auf dem Frischbeton einen Besenstrich an. Laut Landschaftsarchitekt Schramm sorgt „dieser Besenstrich für die nötige Rutschhemmung und unterstreicht außerdem die natürliche Optik der Wege“.

Für die umweltschonende Energieversorgung der vielen Ferienhäuschen wurde eigens ein Blockheizkraftwerk errichtet. Kurz vor dem Einzug der ersten Gäste wurden die freien Flächen mit Rollrasen bedeckt. In den voneinander abgeschiedenen Ferienhäusern konnten bereits ab dem Sommer trotz strenger Corona-Auflagen die Gäste ihren Aufenthalt genießen.

Text: Susanne Ehrlinger

Podcast BETONt: Urlaub im märkischen Sand

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Objektsteckbrief

Projekt: Wegeführung Ferienhaussiedlung Tropical Islands, Landkreis Dahme-Spreewald, Brandenburg

Bauherr: Tropical Island Hospitality GmbH, Krausnick-Groß Wasserburg

Projektarchitekten: ANSSP Architekten NAEVE SCHROFF SCHÄFER Partnerschaft mbH, Hamburg

Landschaftsarchitekten: Gasse I Schumacher I Schramm Landschaftsarchitekten, Partnerschaft Bremen mbB, Bremen

Ausführendes Unternehmen: Verdie –Verarbeitungs-, Dienstleistungs-, Transport- und Handelsgesellschaft mbH, Turnow
Beton Wegeführung: C30/37 F3 XC4, XD1, XF1, XA1, XM1, WA

Farbe: Flüssigfarbe 920 Sikacolor FF 920P flüssiggelb

Zement: CEM II/A-LL 32,5 R

Bodenplatte: Betonlieferwerk Heidelberger Beton GmbH, Lübben

Pumpendienst: Heidelberger Beton GmbH, Region Nord-Ost
Lieferzeitraum: März bis Juli 2020

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