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Gespräch mit Zukunftsforscher Eike Wenzel // Ausgabe 1/2021

Transformation ist das Wort der Zukunft

Vor zehn Jahren war noch vom Wandel die Rede. Für Eike Wenzel, Trend- und Zukunftsforscher, ist dieser Begriff für die starken Veränderungsprozesse in der heutigen Gesellschaft nicht mehr ausreichend. Er spricht mit context darüber, warum Transformation das Wort der Zukunft ist.

Interview

Bild: ITZ / Institut für Trend- und Zukunftsforschung

Wieso ist Transformation heute in aller Munde?

Der Begriff kommt ja aus dem technologischen Bereich, wir sprechen da auch von der Transformation von Systemen. Der Hintergrund ist natürlich, dass in den nächsten Jahren in vielen bekannten Systemen, von Mobilität bis Energie, eine Transformation stattfinden wird, beziehungsweise muss. Auslöser gibt es viele: Klimakrise, Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel und Covid-19 sind einige davon. Deswegen ist Transformation im Moment so wichtig und angesagt. Schon häufiger angewendet wurde der Begriff 2008 zur Wirtschaftskrise, da sprachen die Amerikaner von der „Crash Transformation“ oder auch „The Great Reset“. Ich mache Transformation aber eher am „Green New Deal“ fest, der von den Demokraten vor einigen Jahren eingeführt wurde. Entwicklungen dieser Art werden als eine wirklich revolutionäre Veränderung aller Lebensgrundlagen in den nächsten Jahren auf unsere Gesellschaft zukommen.

Sind Transformationsprozesse wichtig für die Gesellschaft?

Uns bleibt gar nichts anders übrig, als Transformationsfortschritte zu machen. Wir müssen aus den Schwierigkeiten rauskommen, die unserer fossilen Gesellschaft in den vergangenen 150 Jahren erwachsen sind. Als wichtigster Schritt steht natürlich die CO2-Reduktion an, und das ist uns auch allen bewusst, darum geht es in den nächsten Jahren.

Finden Sie, dass Unternehmen heute offener für Veränderung sind als noch vor zehn Jahren?

Ich beschäftige mich schon seit 25 Jahren mit der Zukunftsforschung. Ende der 1990er waren zirka 50 Prozent der Unternehmen begeistert und die andere Hälfte eher kritisch. Von 1950 bis 1990 gab es eine Phase, wo sich nicht viel verändert hat, da alles gut lief, zumindest wenn man in den OECD-Staaten lebte. Das hat sich in den letzten Jahren sehr geändert. Vieles, was wir für Wahrheiten gehalten haben, dass wir zum Beispiel immer ein stetiges Wachstum erwarten können, ist hinfällig geworden. Heute merken wir, dass viele Marktmechanismen so nicht mehr funktionieren und auch Unternehmen sich darauf einstellen und verändern wollen und müssen. Für mich als Zukunftsforscher ist es wichtig, den Unternehmen die Angst vor Veränderung zu nehmen, denn Zukunft ist planbar. Wenn ich mir die deutschen Unternehmen anschaue, habe ich das Gefühl, dass das Bewusstsein der Notwendigkeit von Transformation besonders beim Thema Klimawandel und Energiewende da ist. Denn wer sich rechtzeitig in diese Richtung entwickelt, wird von dieser Transformation in hohem Maße profitieren und zu den Gewinnern in den nächsten Jahren gehören. Auch bei HeidelbergCement ist diese Entwicklung ja deutlich zu spüren.

Nachhaltigkeit und Transformation – wie kann das in einer Gesellschaft gelingen?

Nachhaltigkeit kann in die Gesellschaft eingeführt werden, indem sie angehalten wird, weniger zu konsumieren. Dies findet schon in gewissem Maße statt, aber es braucht auch klare Verordnungen, beziehungsweise Gesetze, die von der Politik vorgegeben und von der Wirtschaft befolgt werden. Das wird unweigerlich der Weg in den nächsten Jahren sein, denn wir haben planetare Grenzen und müssen damit zurechtkommen. Für mich ist dies auch eine der größten Herausforderungen: dies zu tun, als Individuen, als Gesellschaft und in der Wirtschaft, etwa als Unternehmen.

Können wir uns auf die Zukunft freuen?

Ich bin von Natur aus optimistisch. Wir haben 15 sogenannte Megatrends, diese werden die nächsten 30 Jahre bestimmen, und wenn wir uns an denen orientieren, kommen wir gut in die Zukunft. Der erste und wichtigste Trend ist natürlich der Klimawandel. Ein weiterer wichtiger Megatrend ist die Ungleichheit. Es muss gleichzeitig gelingen, ein neues Wirtschaftssystem für den Klimawandel zu entwickeln und neue Arbeitswelten zu organisieren, die möglichst viele Menschen einbinden. Dann kann von einer gelungenen, sozial-ökologischen Transformation gesprochen werden. Wenn wir die richtigen Transformationspfade einschlagen, werden wir als Weltgesellschaft besser zusammenwachsen. Das, was die EU tut und Joe Biden ankündigt, geht alles in diese Richtung. Das muss es auch – es ist höchste Zeit.

Das Gespräch führte Melanie Kotzan.

Transformation ist das Wort der Zukunft

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