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Kranhaus am Eixendorfer See // Ausgabe 3/2019

Landmarke aus Leichtbeton

Rund 40 Kilometer nordöstlich von Regensburg liegt ein Stausee, der dem Hochwasserschutz und der regenerativen Stromerzeugung dient. Wie ein Stück Land-Art ragt ein ungewöhnliches Bauwerk aus der Staumauer: Das neue Kranhaus schützt einen stationären Kran, der Schottwände künftig zu Wartungszwecken aus 25 Metern Tiefe hieven kann.

Verbindungen

Mitten auf dem natürlich bewachsenen Damm über dem See fügt sich ein halbrundes, turmähnliches Bauwerk in die Landschaft, das in seiner ästhetischen Erscheinung die Blicke auf sich zieht, dessen Nutzung aber nicht sofort erkennbar ist. Eine bauliche Skulptur? Land-Art in der Oberpfalz? Eine Schutzhütte für Touristen? Erst der Blick ins Innere klärt auf: Dort ist ein tiefer dunkler Schacht zu sehen, über dem nach der Fertigstellung des Gebäudes ein Kran hängen wird – seine Seile werden mindestens 25 Meter zu dem im See verborgenen Stauwerk hinabreichen. Das oberirdische Kranhaus dient zum Schutz und zur Wartung der Anlage, die insgesamt 4,6 Millionen kWh erneuerbaren Strom für den Bedarf von 4.600 Personen erzeugt. Das entspricht mehr als der Hälfte der Bevölkerung in der nächstgelegenen Stadt Neunburg vorm Wald. Seit Mitte der 70er wird dort, wie in vielen Gemeinden Bayerns, Wasserkraft zur Erzeugung von regenerativer Energie genutzt. Hierzu, aber auch aus Gründen des Hochwasserschutzes, ist der Fluss Schwarzach aufgestaut worden, der wenige Meter südlich der Europäischen Hauptwasserscheide im tschechischen Teil des Oberpfälzer Waldes entspringt. Seinen Namen erhielt der rund 100 Hektar große Stausee Eixendorf in Erinnerung an einen durch den Bau untergegangenen Ort.

„Innen schaut es ein bisschen aus, wie in einem Raketensilo aus den alten James Bond-Filmen: Betonwände, verzinkte Stahltreppen und mittig ein absurd tiefer Schacht bis zum Boden des Staudamms“, beschreibt Architekt Johannes Peter Steidl den Zugangsbereich zum Grundablass des Stausees. Hier befinden sich mehrere Schottwände, die sozusagen den Stöpsel/Stopfen des Sees darstellen, wie bei einer Badewanne. Früher musste zur Wartung der Schottwände eigens ein Kran angefahren werden. Nun wird ein stationärer Kran mit beweglicher Krankatze über dem Schacht installiert und vom neuen Kranhaus überdacht. Das ortsansässige Architekturbüro Steidl hat sich beim Entwurf des Bauwerks am Grundriss des teils abgebrochenen Schachtzugangs orientiert. So waren die Gebäudeform und Größe des Kranhauses im Wesentlichen durch den bereits vorhandenen Verschlussschacht für den Grundablass vorgegeben. Die vorgefundene Bausubstanz aus Stahlbeton war noch tragfähig und konnte deshalb als Basis bestehen bleiben.

„Für das neue Gebäude haben wir Leichtbeton gewählt, mit dem wir bei verschiedenen Bauvorhaben schon gute Erfahrung gemacht haben ,“ erläutert Architekt Michael Steidl. Aufgrund seiner Luftporen bietet der Leichtbeton einen guten Wärmeschutz und hält auch ohne Dämmung stets eine bestimmte Betriebstemperatur in den Innenräumen. So wird die Anlage mittels Niedertemperaturheizung bis maximal zehn Grad vor dem Einfrieren geschützt und Schwitzwasser vermieden, das aufgrund der Wärmeentwicklung durch den Betrieb der Turbine entstehen kann. Die eigentliche Krananlage wird mit einer Lauf- und Tragschiene in den Leichtbetonverbund integriert. Die elektrisch betriebene Krankatze hat an der Aufhängung eine Tragkraft von fünf Tonnen.

Wir haben mit Beton, Holz und Stahl bewusst verschiedene Materialien aus der direkten Umgebung in das Entwurfskonzept einfließen lassen.

Objektsteckbrief

Projekt:
Kranhaus Eixendorfer Stausee

Bauherr:
Wasserwirtschaftsamt Weiden, Am Langen Steg 5, 92637 Weiden in der Oberpfalz

Architekten:
ARCHITEKTURBÜRO STEIDL Architekten, Stadtplaner und Innenarchitekten, Neunburg vorm Wald

Bauunternehmen:
Michael Baumer, Oberviechtach

Tragwerksplaner:
Ingenieurbüro Wellnhofer, Schwandorf

Beton:
43 m3 Leichtebton LC 30/33 XC4, XF1, XA1, WA, F3; D8, Rohdichte 1,4

Produzent:
Heidelberger Beton Donau-Naab GmbH & Co. KG, Spezialproduktewerk Burglengenfeld

Ihrem allgemeinen Faible für Beton konnten die Architekten auch bei diesem Projekt nachkommen. Im Innern des kleinen Infrastrukturgebäudes bleiben die Wandoberflächen des Rohbaus sichtbar, schalungseben, so wie es die hölzerne Segmentschalung vorgibt. Das Äußere bekommt jedoch eine Bekleidung aus naturbelassenem Lärchenholz, das in unregelmäßigen, aber in sich wiederholendem Verlegemuster auf einer Tragkonstruktion befestigt wird. Der Bestandsbeton wäre an der Fassade aus optischen Gründen sanierungsbedürftig gewesen. So können Alt und Neu einheitlich überdeckt werden. Der Bereich der Einfahrt und des Zugangs ist samt Tür und Tor aus wetterfestem Baustahl konzipiert. Das geneigte Dach erhält eine extensive Begrünung.

„Wir haben bewusst verschiedene Elemente und Materialien aus der direkten Umgebung in das Entwurfskonzept einfließen lassen,“ erklärt Michael Steidl. Mit Beton, Holz und Stahl schaffen die Architekten eine Verbindung zum Kontext: Der Beton ist Grundlage der bestehenden technischen Anlagen des Stausees, das Lärchenholz stammt aus den umgebenen Wäldern, die Dachbegrünung nimmt Bezug zu den Ufern und Wiesen rund um den See. Nicht zuletzt ist der Cortenstahl eine Reminiszenz an den ehemaligen Seebarnhammer, eine über 500 Jahre alte Hammerschmiede, die durch den Bau des Stausees für immer versunken ist.

Susanne Ehrlinger

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