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Bilbaoeffekt in Blaibach // Ausgabe 3/2015

Konzerthaus als Impulsgeber

Ein kleines Konzerthaus in Blaibach zieht überregionale Gäste in den Bayerischen Wald und erhöht die Attraktivität des Wohnstandortes. Neben unzähligen kulturellen Highlights für Ortsansässige und Klassikfans lockt der Bau aus Leichtbeton auch Architekturtouristen von nah und fern in die abgelegene Region.

Öffentliche Bauten

Foto: HeidelbergCement AG/Steffen Fuchs

Bürgermeister Wolfgang Eckl und Geschäftsstellenleiter Stefan Zollner ist die Begeisterung über ihr neuestes Bauwerk in der Ortsmitte anzusehen. Zwei bis drei Führungen wöchentlich mache ich“, erzählt das ehrenamtliche Oberhaupt der kaum 2.000 Seelen zählenden Gemeinde.

Wir stehen im modernen Bürgerhaus am Kirchplatz, einem mit Leichtbeton ergänzten Bestandsgebäude. Der Umbau stammt aus der Feder des Münchner Architekten Peter Haimerl, der den Anstoß für die weitere glückliche Entwicklung in der Dorfmitte gegeben hat. Seit einem Jahr lädt das Konzerthaus Blaibach kulturinteressierte Jazz-, Klassik- und Volksmusikfreunde zu fast immer ausverkauften Aufführungen ein.

Leichtbeton-Saal mit bester Akustik in ganz Bayern

Der Saal mit 197 Plätzen ist architektonisch ein fulminantes Kleinod aus Leichtbeton. Der silbergraue Beton mit seiner lebhaften Oberfläche umrahmt die Bühne, über der seine authentische Struktur die zarte Ausformung einer Almenlandschaft erahnen lässt. Produziert wurde der Leichtbeton für den beeindruckenden Kulturbau in der Oberpfalz vom Betonproduzenten Fleischmann & Zankl aus Viechtach mit Zement aus dem nahegelegenen Werk Burglengenfeld der HeidelbergCement AG.

Laut Bauleiter Karl Landgraf ist Architekt Peter Haimerl mit diesem Bau der Saal mit der besten Akustik in ganz Bayern gelungen. Und Journalist Florian Zinnecker aus München schreibt dazu: „Blaibach, tief im Bayerischen Wald, macht sich gerade einen Namen als Kulturstadt. Aus der ganzen Region fahren die Leute dorthin. Bürgermeister und Gemeinderat waren mutig und kassieren jetzt die Belohnung.“

Vom Waidlerhaus zur Vision eines Konzertsaales

Dabei war die Ausgangslage alles andere als rosig. Laut einem städtebaulichen Entwicklungskonzept hatte der Ort, wie viele Gemeinden in ländlichen Regionen, eher schlechte Karten. Grund dafür ist der demografische Wandel und die Konzentration von Wirtschaftsaktivitäten in den Metropolen, die einhergehen mit der Abwanderung junger Berufstätiger und dem Rückgang des Tourismus. Jahrelang standen in der Ortsmitte unterhalb der Kirche abrissreife Nachkriegsbauten leer. Einzig ein historisches, denkmalgeschütztes Waidlerhaus, allerdings auch dies ohne Nutzung, schien erhaltenswert. „Eine Kernerneuerung war nötig, aber etwa für ein Ärztehaus fanden sich keine Interessenten“, erinnert sich der Blaibacher Karl Landgraf. Als sich, eher aus Zufall, der ehemalige Regensburger Domspatz Thomas E. Bauer – heute als Bariton auf renommierten Bühnen der Welt zu Gast – für den Erwerb und die Sanierung des ehemaligen Waidlerhauses interessierte, entwickelte sich daraus auch rasch die Vision eines Konzertsaals für diesen Ort.

Gegen Widerstände einer Bürgerinitiative konnten die Initiatoren und ein eigens gegründeter Förderverein den Gemeinderat vom Kulturprojekt überzeugen. Der Bariton betreibt die inzwischen angesagte Kulturstätte ehrenamtlich. So entstehen der selbstständigen Gemeinde auch langfristig keinerlei Kosten. „Gemeinsam gelang es auch, durch Bundes- und Landesmittel sowie die Einnahme von Sponsorengeldern die Kosten des 2,4-Millionen-Projekts überschaubar zu halten“, erläutert Bürgermeister Eckl.

Gefaltetete Schichtung der Wände dank Spezialschalung

Rund 75 Veranstaltungen, davon 25 mit regionalem Charakter, laufen im Jahr. „Das Haus kommt an, am Tag der offenen Tür hatten wir Hochbetrieb“, erinnert sich Karl Landgraf, der 40 Jahre lang bis zur Pensionierung ins Bauamt nach Amberg pendelte und dort als Bauleiter für Neubauten des Freistaats Bayern tätig war. Er erkannte die impulsgebenden Chancen für seinen Wohnort. Prompt wurde er von den Initiatoren des Konzertsaals als Experte für die Bauleitung gewonnen. „Ich war anfangs auch skeptisch und hätte nie geglaubt, dass der Bau solche Wellen schlägt“, meint er rückblickend. „In das Arbeiten mit dem Leichtbeton muss man sich hineindenken“, ist nun Landgrafs Erfahrung. Die gefaltete Schichtung der Saalwände erforderte eine Spezialschalung, die ein österreichischer Containerbauer herstellen konnte. Auch das Betonieren hatte Tücken.

Mit Leichtbeton optimales Klima ohne Wärmedämmung

„Der Leichtbeton wird beim Abbinden sehr warm, beim Rütteln schäumt er auf. Es ist also gut, wenn an den entscheidenden Stellen beim Verdichten immer der gleiche Arbeiter mit der Rüttelflasche hantiert. Man muss ein Gefühl dafür entwickeln und das Gerät gleichmäßig herausziehen.“ Der Leichtbeton, eine Spezialität des Betonproduzenten Fleischmann und Zankl aus dem benachbarten Viechtach, wurde mit Betonmischern angeliefert und vor Ort mit Kran und Kübeln eingebracht. Zur Rezeptur hält sich der Hersteller bedeckt. „Jedenfalls wurde er mit Leichtbetonzuschlägen produziert“, meint Vertriebsleiter Albert Fischer. Bekanntermaßen hat Architekt Peter Haimerl ein Faible für Beton mit Glasschaumschotter. Mit dieser Kombination verschafft er seiner Architektur, die immer auch die Geschichte des jeweiligen Ortes einbezieht, ohne Wärmedämmung ein optimales Klima.

Text: Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt: Konzerthaus, Blaibach

Bauherr: Gemeinde Blaibach, vertreten durch Bürgermeister Wolfgang Eckl

Architekt: peter haimerl . architektur, München

Tragwerksplanung: a.k.a. Ingenieure, München Bauleitung: Karl Landgraf, Blaibach

Leichtbetonproduzent: rund 280 Kubikmeter von Fleischmann & Zankl Transportbeton, ViechtachBetonproduzent

Zement: CEM II/B-S 42,5 N, ca.140 t, Werk Burglengenfeld der HeidelbergCement AG

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