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Kirchenbau aus Leichtbeton // Ausgabe 4/2016

Sakrale Stille

In exponierter Lage am Rande des Grünzugs von Pliezhausen hat die Neuapostolische Kirche ein markantes Gebäude erbaut. Der Neubau setzt sich als skulpturaler Baukörper aus durchgefärbtem Leichtbeton bewusst von der angrenzenden Wohnbebauung ab.

Öffentliche Bauten

Foto: HeidelbergCement AG/Steffen Fuchs

Raus aus der Hektik des Alltags, rein in die Ruhe des Raumes. Wie wohltuend die Atmosphäre einer bewusst schlichten, sakralen Architektur sein kann, ist sofort spürbar. Kaum über den Vorplatz, der sich als einladende Geste Richtung Obstbaumwiesen erstreckt, durch das großzügige und zentrale Foyer in den Kirchenraum eingetreten, fällt die Last des Lebens ab und macht stiller Einkehr Platz.

Für diese Wirkung entwickelten die Stuttgarter Architekten Ackermann+Raff Architekten den Baukörper aus der Topografie heraus. Sie ließen die Dachform dem Hangverlauf folgen; zur Straße hin bildet das Volumen einen markanten Hochpunkt aus. Im Kirchenraum ist die äußere Form durch den steil aufsteigenden Deckenverlauf zum Altar hin ablesbar. Ein hoch über dem Altarraum platziertes Fensterband und Oberlichter im Bereich der räumlich und farblich abgestuften Decke lassen eine sakrale Lichtstimmung entstehen. Nach Osten ausgerichtete quadratische Fenster mit tiefen Holzlaibungen sorgen für stimmungsvolle Lichtakzente im gesamten Raum.

Der Neubau der Neuapostolischen Kirche bietet künftig 250 Besuchern aus drei Gemeinden Platz für Gottesdienst und Gemeindearbeit. Verschiedene Sanitär- und Mehrzweckräume werden vom zentralen Foyer aus erschlossen, zwei davon lassen sich bei Bedarf zu einer größeren Einheit zusammenschließen. Die Sakristei öffnet sich mit großzügiger Verglasung zum Kirchenraum, so dass hier – akustisch etwas abgeschieden – Familien mit kleinen Kindern den Festlichkeiten folgen könnten.

Eingefärbter Leichtbeton und unbehandelte Eiche

Die einladende Wirkung verdankt der Kirchenbau auch der Reduktion auf wenige, ausgesuchte Materialien. Bauherr und Architekten ergänzten den Baukörper aus eingefärbtem Leichtbeton mit heimischer, teils unbehandelter Eiche aus dem Schwäbischen, die eine regionale Schreinerei für die geschmackvollen Kirchenbänke und die quadratischen Fenster verarbeitete. Über der 25 Zentimeter  dicken Bodenplatte aus Beton und dem Bodenaufbau mit Fußbodenheizung bildet ein Belag aus geräucherter Eiche im Sakralraum und ein polierter Beton im Foyer einen gelungenen Kontrast zu den hohen, hellen Sichtbetonwänden und der dezenten Akustikdecke mit zartem Farbverlauf.

„Bei einem solch speziellen, besonderen Projekt muss die Zusammenarbeit stimmen.“

Klaus Schäfer, Bauleiter

Schon verschiedentlich hat die Neuapostolische Kirche ihre Neubauten, mit der sie baufällige Kirchengebäude aus der Nachkriegszeit ersetzt, in Sichtbeton ausgeführt. Für Pliezhausen wählte Bauherrenvertreter Stephan Pfäffle, selbst Architekt, gemeinsam mit Johannes Weiß von den Stuttgarter Architekten Ackermann+Raff einen Leichtbeton, der mit der Beimischung von 1,5 Prozent Farbpigmenten einen zarten, erdigen Beigeton zeigt. Das Büro hatte sich mit seinem Entwurf bei einem eingeladenen Wettbewerb durchgesetzt.

Rahmenschalung sorgt für gewünschte Betonoberfläche

Der Zement für den ausgesuchten Beton stammt aus dem Werk Lengfurt der HeidelbergCement AG. Das Bauunternehmen Adolf List aus Reutlingen führte die Baumaßnahmen durch. Mit sieben versierten Betonbauern gelang Bauleiter Klaus Schäfer mit einer Rahmenschalung von 2,40 auf 2,70 Metern die von Architekt und Bauherren gewünschte Oberfläche der Leichtbetonwände. Durch die Rahmenschalung lassen sich die einzelnen Bauabschnitte als fast quadratische Bereiche ablesen, farblich angepasste Betonkonen zeichnen sich dezent ab. Struktur und Porosität der Flächen ebenso wie Farbe und Farbverlauf sollten gleichmäßig sein.

Um die an großen Musterwänden besprochene Qualität zu erreichen, musste im heißen Sommer 2015 großer Aufwand betrieben werden. „Gegen die Hitze haben wir die Schalung abgedeckt und die Mischer runtergekühlt“, so Schäfer. „Betoniert wurde ab dem frühen Morgen und angeliefert haben wir im Stundentakt.“

Gegen die Hitze haben wir die Schalung abgedeckt und die Mischer runtergekühlt

Klaus Schäfer, Bauleiter

Auch die Verdichtung der bis zu acht Meter hohen Wände durch gezieltes Rütteln erforderte Fingerspitzengefühl, erinnert sich Karl-Heinz Baur vom nahe gelegenen Transportbetonunternehmen Wenzelburger, das den Beton produzierte. „Bei einem solch speziellen, besonderen Projekt muss die Zusammenarbeit stimmen“, meint Bauleiter Schäfer. Alle Baubeteiligten loben ausdrücklich den koordinierten Austausch. Das für solche Herausforderungen unerlässliche „Sichtbeton-Team“ hat sich hier auf beste Weise bewährt.

Text: Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt:
Neuapostolische Kirche, Pliezhausen

Bauherr:
Neuapostolische Kirche Süddeutschland K.d.ö.R.

Architekten: Ackermann+Raff Architekten, Stuttgart

Bauunternehmen:
Adolf List Bauunternehmung GmbH & Co. KG, Reutlingen

Betonlieferant:
Wenzelburger Transportbetonwerk GmbH & Co. KG, Neckartailfingen

Beton:
550 m³ durchgefärbter Leichtbeton LC 12/13 – Rohdichte 1,2 mit 1,5 % Farbpigment

Dichtwandmasse:
Diverse DiWa-mix, ca. 15.000

Zement:
CEM III/B 32,5 N-LH/SR/NA

Lieferwerk:
HeidelbergCement AG, Werk Lengfurt

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