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Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand des DGNB e.V. im Interview

Für Qualität und Zukunfts­fähigkeit

Dr. Christine Lemaitre ist eine wahre Pionierin im nachhaltigen Bauen. Als geschäftsführender Vorstand der DGNB setzt sie sich seit mehr als zehn Jahren für eine bessere Planungs- und Baukultur weltweit ein. Die promovierte Bauingenieurin ist unter anderem Mitglied im Board of Directors des World Green Building Council. 2019 wurde sie mit dem Eco Innovator Award des Global Green Economic Forum ausgezeichnet.

Interview

Wie und wofür arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen?

Die DGNB ist eine 2007 gegründete, unabhängige Non-Profit-Organisation mit Sitz in Stuttgart. Mit rund 1.200 Mitgliedsorganisationen sind wir Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Übergeordnetes Ziel ist es, Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu fördern und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Mit unserem Zertifizierungssystem haben wir ein Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude, Innenräume und Quartiere entwickelt, das dabei hilft, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Das DGNB-System  fußt auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht. Über 6.000 Projekte in mehr als 20 Ländern haben wir bereits zertifiziert. Zudem haben wir eine eigene Fort- und Weiterbildungsplattform, über die wir bereits mehr als 4.200 Personen in 40 Ländern zu Experten für nachhaltiges Bauen geschult haben.

Ist eine DGNB-Zertifizierung nur für große Projekte interessant oder ist sie auch für Bauten kleiner oder mittlerer Größe sinnvoll?

Wir sehen das DGNB-System als Planungs- und Optimierungstool, das dabei hilft, eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsqualität in Planung, Bau und Betrieb nachweislich umzusetzen. Insofern ist es prinzipiell für Projekte jeder Größe anwendbar und bietet Mehrwerte. Wichtig ist, sich mit den in der Zertifizierung adressierten Kriterien frühzeitig auseinanderzusetzen und für das jeweilige Projekt die individuell richtige Entscheidung zu treffen. Dabei geht es um die aktive Auseinandersetzung mit Zielkonflikten, die sich zwischen verschiedenen Aspekten im Rahmen des vorhandenen Budgets ergeben. Große Projekte nutzen die Auszeichnung häufig zusätzlich zur Vermarktung und Öffentlichkeitsarbeit. Das können aber auch kleinere Projekte machen. Auch für Eigennutzer kann das interessant sein. Bei diesen spielen gerade die Themen eine wichtige Rolle, die die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gebäudenutzer ansprechen. Gelingt es mithilfe einer hochwertigen, gesunden Arbeitsumgebung, die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern und die Krankheitstage signifikant zu reduzieren, ergeben sich viele Vorteile – auch ökonomisch. Und auch zu geringeren Betriebs- und Instandhaltungskosten sagen kleinere Projekte sicher nicht nein.

Was bringt eine DGNB-Zertifizierung für die Umwelt?

Viele der Kriterien im DGNB-System adressieren ökologische Themen. Dazu zählt beispielsweise die Ökobilanz, die sie für das Gebäude erstellen müssen. Bei jedem eingesetzten Bauteil wird genau  hingeschaut, zum Beispiel, was die verursachten CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes angeht. Gefördert wird beispielsweise auch die Vermeidung von Schad- und Risikostoffen, die Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit, die Biodiversität am Standort oder ein umweltgerechter Umgang mit der Ressource Wasser. Auch die Lieferketten der verwendeten Bauprodukte betrachten wir.

Gelingt es mithilfe einer hochwertigen, gesunden Arbeitsumgebung, die Produktivität der Mitarbeiter zu steigern und die Krankheitstage signifikant zu reduzieren, ergeben sich viele Vorteile – auch ökonomisch.

Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Wer kann sich im DGNB einbringen?

Einbringen kann sich im Prinzip jeder. Im Verein kann jedes Unternehmen, das sich für mehr Nachhaltigkeit im Umgang mit unserer gebauten Umwelt einsetzen will, Mitglied werden. Die Mitarbeiter dieser Organisationen können sich in einem Expertenpool, in Strategiegruppen oder anderen Arbeitskreisen mit ihrer Expertise aktiv einbringen und sich auch an der kontinuierlichen Weiterentwicklung der DGNB-Zertifizierung beteiligen. Über die DGNB-Akademie kann man sich fortbilden lassen und beispielsweise als DGNB-Auditor oder -Consultant selbst am Markt aktiv werden. Zudem pflegen wir viele Kooperationen, zum Beispiel mit mehr als 70 Hochschulen weltweit. Hier bieten sich viele Vernetzungsmöglichkeiten.

Mit dem Preis für klimapositive Gebäude gehen Sie noch einen Schritt weiter. Sind diese Bauten für Bauherren überhaupt wirtschaftlich?

Die neue DGNB-Auszeichnung „Klimapositiv“ belohnt Gebäude, die nachweislich im Betrieb pro Jahr eine CO2-Bilanz von null oder kleiner null aufweisen. Damit vermeiden sie mehr klimaschädliche Emissionen, als sie in der Nutzung selbst verursachen. Das ist natürlich wirtschaftlich. Entscheidend sind zwei Fragen: Wo stehe ich aktuell mit meinem Gebäude? Und welche Maßnahmen sind sinnvoll, auch ökonomisch gedacht, um mein Gebäude sukzessive Richtung Klimaneutralität zu führen? Hierfür haben wir das Instrument des Klimaschutzfahrplans entwickelt, das auch bei unserer Zertifizierung für Gebäude im Betrieb zum Einsatz kommt.


Das Gespräch führte Susanne Ehrlinger

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