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Sichtestrich in Vinothek

Ein Wink zum Weinberg

In Würzburg wächst ein ausgezeichneter Frankenwein. Die neue Vinothek des Weinguts Reiss bietet mit dem geschliffenen Sichtestrich CemFlow und einer rauen Muschelkalkmauer das gelungene Ambiente für die Degustation und zeitgemäße Vermarktung der Weine.

Wohnen

Foto: HeidelbergCement AG/Steffen Fuchs

Als Winzer in dritter Generation hat sich Familie Reiss die Qualität ihrer Weine zum obersten Ziel gesetzt. „Das zentrale Motiv ist der Wein im Glas“, meint Christian Reiss, der am Standort Würzburg vom Vater das 1960 gegründete Würzburger Weingut übernommen hat und stets an der Verbesserung seiner drei „Weinfamilien“, Neues Franken, Fränkische Klassik und Großes Franken, arbeitet. Anders als früher muss ein Winzer heute auch über die Vermarktung seiner Weine intensiv nachdenken. Denn edle Weine wollen, wie alle kulinarischen Kostbarkeiten, im entsprechenden Ambiente präsentiert werden.

Früher genügte der Winzerfamilie ein einfacher Verkaufsraum im Verbindungsbau zwischen Wohnhaus und Kelterhaus. Dessen Belichtung erfolgte von oben. Dadurch fehlte auch jeglicher Blickbezug zum nahe gelegenen Weinberg, der die Grundlage des Weinbaubetriebs bildet. Inzwischen entwickeln sich Weine im Dreiklang von Landschaft, Kultur und Weingenuss. Familie Reiss war sich bewusst, dass sich dieser Quantensprung nicht mehr in dem  vorhandenen Konglomerat aus Bestandsgebäuden würde abspielen können.

Nun ist, nach Plänen des Würzburger Architekturbüros Archicult, eine einladende Vinothek mit Weinpräsentation im Erdgeschoss und einem Degustationsraum sowie einer Vinobibliothek im Obergeschoss entstanden. So kann sich die Qualität ihres Weines in den entsprechenden Räumlichkeiten widerspiegeln. Passend für unterschiedliche Besuchergruppen, modern, aber nicht steril, war die Vorgabe für die geplante Erweiterung.

Geschliffener Sichtestrich sorgt für ansprechendes Ambiente

Die Architekten schoben einen zweigeschossigen Kubus als deutlich sichtbaren Kontrapunkt in den eingeschossigen Bestand. Zur Hofseite schafft eine verglaste Pfosten-Riegel-Konstruktion die gewünschte Transparenz und Außenwirkung. Den inneren Eindruck prägen eine mit Krustenplatten verblendete Stahlbetonwand und der glatte Sichtestrich CemFlow, dessen natürliche Farbgebung aufgrund seiner Kiesstreuung ohne zusätzliche Farbpigmentierung mit der Wand harmoniert. Gewachster Stahl, Glas, Muschelkalk und geschliffener Estrich sind die Rohmaterialien, die in ihrer puren Authentizität die unverfälschte Qualität der Weine auf stimmige Weise räumlich begleiten. Der geschliffene Sichtestrich erfüllt zweierlei Funktionen.

Zur Ästhetik gesellt sich seine extreme Robustheit, die aufgrund des Zementanteils auch schwere Hubwagen trägt, die zum Kühlraum fahren. Geschäftsführer Pohli vom Unternehmen Steinservice Pohli hat den monolithischen und homogenen Bodenbelag mit vier Mitarbeitern verlegt. Zunächst wurde der unebene Boden des Bestands mit einem wärmedämmenden Porenleichtmörtel Poriment P ausgeglichen. Anschließend konnte der Bauunternehmer, nach Einbringen einer Trennfolie, acht Kubikmeter Zementfließestrich CemFlow bei einer Höhe des Bodenaufbaus von 40 bis 80 Millimetern einbauen und damit auch Bodensprünge im Altbau optimal ausgleichen. Dies gelingt, weil bei Unebenheiten das zementgebundene faserarmierte Material ohne Änderung der Optik geschliffen werden kann.

„Nach drei Tagen ließ er sich für den ersten groben Anschliff begehen."

Michael Pohli

Die Heidelberger Beton GmbH lieferte CemFlow für 140 Quadratmeter Bodenfläche mit dem Fahrmischer an, das  Bauunternehmen pumpte ihn in die beiden Geschosse. Anschließend wurde der Zementfließestrich mit der Schwabbelstange entlüftet. „Nach drei Tagen ließ er sich für den ersten groben Anschliff begehen. Nach 14 Tagen wurde in mehreren Arbeitsgängen so lange geschliffen, bis das befriedigende Resultat erreicht war“, so Michael Pohli. Nur eine sichtbare, mit Aluminiumstreifen belegte Bewegungsfuge zwischen zwei Bauteilen verläuft im weitgehend fugenlosen Sichtestrich. Eine zweite Fuge wurde unter einer nachträglichen Wand zu den Serviceräumen verlegt. Nach dem Umbau kann sich die Qualität des Weines in entsprechenden Räumlichkeiten widerspiegeln.

Text: Susanne Ehrlinger

Objektsteckbrief

Projekt: Vinothek im Weingut Reiss, Würzburg

Bauherr: Martina und Christian Reiss, Würzburg

Architekt: archicult GmbH – breunig architekten, Würzburg

Betonproduzent: Heidelberger Beton GmbH –
Gebiet Franken, Lieferwerk Dettelbach

Bauunternehmen: Steinservice Pohli, Grafenrheinfeld

Produkte: 6,5 m3 Poriment P, 8 m3 CemFlow für ca. 140 m2 Sichtestrich

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