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Bavaria Towers bereichern Münchner Skyline // Ausgabe 1/2018

Die Zukunft beginnt heute

Ein Ensemble aus vier Hochhäusern der spanischen Architekten Nieto Sobejano Arquitectos prägt künftig den Osten der bayrischen Landeshauptstadt. Die Bavaria Towers sind dort eines der wenigen Hochhausprojekte der letzten Jahre und bereichern perfekt positioniert die Münchner Skyline.

Zukunft

In Deutschland stehen 78 Häuser, die über 100 Meter hoch sind, in Europa gibt es insgesamt 753 dieser Bauten. Dagegen befinden sich allein in New York über 100 Bauten, die höher als 300 Meter sind. Hierzulande tun sich Städte schwer mit einer Höhe, die Auswirkungen auf das historisch gewachsene Stadtbild haben könnte. Die Stadt München beispielsweise orientiert sich mit der „Münchner Linie“ an zwei Hochhausstudien von 1977 und 1995. Seit einem Bürgerentscheid von 2004 hat sie sich ein „100-Meter-Limit“ verordnet, das nicht überschritten werden darf. So will sie sicherstellen, dass die Sicht auf Wahrzeichen der historischen Stadt, Hauptsichtlinien und schützenswerte Freiräume nicht beeinträchtigt werden. Hochhäuser gelten hier als Bautyp, der kein Regelfall werden soll. Ziel ist, das Gesicht der Stadt und ihre innere Struktur, die sich in der „Münchner Mischung“ artikuliert, durch die Verbindung von Tradition und zeitgemäßem Bauen auch in Zukunft zu erhalten. Doch die Debatte bleibt ein Politikum mit wechselnden Anschauungen, auch in München wird erneut darüber diskutiert, ob das Bauen in die Höhe nicht doch ein Mittel der Nachverdichtung sein könnte. Seit der Grundsteinlegung der Bavaria Towers nimmt in der bayerischen Landeshauptstadt nun gleich ein ganzes Hochhaus-Ensemble Gestalt an. Mit einer Höhe von 46 bis 84 Metern setzen die drei Office-Türme und ein Hotelbau an ihrem Standort ein repräsentatives, städtebaulich prägnantes Zeichen. Das 380-Millionen-Euro-Projekt in Bogenhausen ist das erste größere Hochhausprojekt, das hier seit vielen Jahren genehmigt wurde. Dies gelang, weil das Projekt wesentliche Punkte erfüllt, die sich München zur Auflage beim Hochhausbau gemacht hat. Dazu gehören die angemessene Fernwirkung eines Projekts und seine Nahwirkung innerhalb des Quartiers. Auch den Einfluss, den es auf den Blick von verschiedenen Hoch- und Aussichtspunkten aus sowie auf verschiedene Sichtachsen und die wichtigsten Stadteinfahrten ausübt, gilt es zu berücksichtigen. Aufgrund des städtebaulich bedeutenden Standorts hat der Projektinitiator und Projektentwickler vor dem Baustart zusammen mit dem Investorenpartner Zurich Gruppe und der Von der Heyden Group ein langjähriges Bauleitplanverfahren in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sowie einen Architektenwettbewerb durchgeführt, den das Büro Nieto Sobejano Arquitectos für sich entscheiden konnte. Die international renommierten Architekten entwarfen die vier hohen Türme mit jeweils pentagonaler Grundrissform. Sie sind mit ihrer vergleichsweise überschaubaren Höhenentwicklung zwar keine Skyscraper, setzen aber mit ihrem Erscheinungsbild im Osten der Stadt neue Maßstäbe. Zwar habe er nur Form und Gestalt der Bauten entwickelt, gleichwohl sei er stolz auf das gelungene Ensemble an diesem Ort, so Architekt Sobejano über die Bavaria Towers bei einer Ausstellungseröffnung der Architekturgalerie Aedes in Berlin.

Mit dem Bauaufzug geht es hinauf in den 14. Stock. Hier, im Rohbau eines der Türme, der mit dem Technikgeschoss im Dach 20 Etagen umfasst, bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf das Ensemble und rundum weit über die Stadt hinaus. Simon Kaiser, Junior Projektleiter von Implenia, einem Baukonzern mit 130 Jahren Erfahrung, ist seit 2016 mit von der Partie. Er erläutert, dass die vier Bauten in sogenannter Realteilung entstehen. Bauingenieur Kaiser realisiert mit elf weiteren Projektleitern, fünf Polieren und rund 100 bis 200 Arbeitern die beiden Bauten D und E, während das Unternehmen PORR für die Bauten B und C verantwortlich ist. Ein vorgesehener Bauteil A ist noch in der Entwicklung, das Grundstück gehört der Stadt. In den Office-Türmen von Implenia läuft der Grundausbau, das Projekt wird schlüsselfertig nach beauftragtem Baulos ausgeführt. Der Innenausbau entsteht nach Vorstellungen der jeweiligen Büronutzer. Im Erdgeschoss ist eine Kindertagesstätte vorgesehen, die Kindern der späteren Beschäftigten offensteht.

Die abgeschrägten Dächer sind der Architektur von Nieto Sobejano geschuldet.

Simon Kaiser

Von oben, gut gesichert hinter dem Absturzgitter, lässt sich die beeindruckende Betonkonstruktion des Neun-Geschossers vis-à-vis betrachten. „Die abgeschrägten Dächer sind der Architektur geschuldet“, meint Simon Kaiser und freut sich über die gelungene Betonage des komplexen Dachaufbaus. Die Betonkonstruktion liegt wie ein geneigter, polygonaler Kranz auf den Betonstützen und wird durch Betonverstrebungen, die eine Art Gitterrost bilden und der Aussteifung der Dachkonstruktion dienen, miteinander verbunden. Um dies zu realisieren, setzten die Betonfacharbeiter mit Chronocrete einen Schnellbeton von Heidelberger Beton ein, der sehr schnell ansteift und eine hohe Frühfestigkeit aufweist. Der umlaufende Betonkranz wurde als Fahrrinne für die Hängevorrichtung der Körbe für die Fassadenreinigung ausgebildet. Eine verglaste Pfosten-Riegel-Konstruktion im Erdgeschoss und hängende Elementfassaden in den Stockwerken darüber werden abschließend die weich gerundeten Bauten umhüllen.

Auf polygonalem Grundriss ist das Stahlbetonskelett dieses Turms seit Baubeginn über der massiven Bodenplatte und drei Untergeschossen mit mehr als 20 Betonstützen pro Etage in die Höhe gewachsen. So entstehen offene Grundrisse für flexibel einzurichtende Büroflächen. Nur im Innern befinden sich aussteifende Kerne für Aufzüge und Sanitärräume. Da jede Etage 1.000 Quadratmeter Grundfläche umfasst, wurden die Stahlbetondecken pro Geschoss in zwei Bauabschnitten betoniert.

Die jeweils drei Meter hohen Stützen, die die Decken tragen, müssen enorme Betondruckfestigkeiten bieten. Hierfür kam ein hochfester Beton in C80/95 mit 8er Körnung von Heidelberger Beton aus dem nahe gelegenen Lieferwerk Zamilastraße zum Einsatz, bei dem durch die Beimischung von Mikrosilika noch höhere Dichtigkeit und Festigkeit erzielt werden konnte. Der Beton kam per Kran und mit Kübeln zum jeweiligen Einbauort. Die Stützen zeigen, obgleich keine höheren Anforderungen an Sichtbeton vorlagen, homogene, sehr glatte Oberflächen. „Schade“, meint Simon Kaiser, „dass die Architekten sie nicht als Sichtbetonstützen belassen möchten.“

Susanne Ehrlinger

Die Zukunft beginnt heute

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Objektsteckbrief

Projekt:
Bavaria Towers, München, 4 Hochhäuser (3 Office-Türme, 1 Hotelturm)

Bauherren:
Von der Heyden Group, Zurich/Zurich Insurance plc

Architekten:
Nieto Sobejano Arquitectos, Madrid, Berlin

Projektentwickler:
Bayern Projekt GmbH Bauunternehmen Bauteile B + C

Ausführungsplanung:
ARGE Planungsgemeinschaft Bogenhausener Tor GbR München

Tragwerksplanung:
bwp Burggraf + Reiminger Beratende Ingenieure GmbH, München

Bauunternehmen:
PORR Deutschland GmbH, Großprojekte, NL München Bauunternehmen Bauteile D + E:

Ausführungsplanung:
BKLS Architekten, München

Tragwerksplanung:
bwp Burggraf + Reiminger Beratende Ingenieure GmbH, München

Bauunternehmen:
Implenia Hochbau GmbH, Niederlassung Großprojekte, NL München

Produkte:
Transportbeton: Heidelberger Beton GmbH; Gesamtbetonbedarf (beide Baustellen): ca. 85.000 m³; davon Bodenplatten: ca. 30.000 m³; Spezialbetone: Bohrpfahlbeton, Massenbeton, Chronocrete, Sichtbeton, Hochfester Beton bis C80/95

Lieferwerke:
München-Zamilastraße (Hauptlieferwerk), im Bedarfsfall Werke München-Geisenhausenerstraße, Gräfelfing und Eching

Betontechnologie:
Heidelberger Beton GmbH, Zentrale Prüfstelle München; Dr. Robert Lukas, Leiter Qualität Gebiete München und Niederbayern;

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